„Ich hab von dem fahrenden Zuge geträumt …“ – Bahnhofsszenario ohne Abfahrt

Ernst Kreneks großer Faible für Züge, Bahnhöfe und Fahrpläne floss immer wieder in seine Kompositionen ein, sei es im Plot von „Jonny spielt auf“, in der die Schlusszene auf dem Pariser Bahnhof spielt, oder im A-cappella-Stück „Santa Fe Timetable“, in dem er ausschließlich Zugstationen der texanischen Zugstrecke vertonte. Bahnhöfe sind Orte, an denen kontinuierlich und zeitgleich Kommunikation stattfindet, an denen die Stimme erhoben wird, um Auskünfte einzuholen, sich zu verabschieden, Ankommende zu begrüßen, Verspätungen durchzusagen oder um im alkoholisierten Zustand seinen Unmut kundzutun. Bahnhöfe laden meist nicht dazu ein zu bleiben, sind anonyme, identitätslose und verlorene Plätze einer Stadt. In diesem Musikvermittlungsprojekt, das sich an regionale Chöre rund um Krems richtet, entwerfen ein Komponist mit einer Vorliebe für vokale Formate und die Musikvermittlerin des Ernst Krenek Forum gemeinsam mit ChorsängerInnen ein musikalisch-theatralisches Bahnhofsszenario, das durchaus ins Absurde abgleiten darf. Texte aus Kreneks Autobiografie „Im Atem der Zeit“ und unterschiedliche Musikstücke (z.B. „Reisebuch aus den österreichischen Alpen“ oder von Krenek bearbeitete Volkslieder) dienen als Ausgangsmaterial für die Performance. Die Stimme wird in all ihren Facetten zum Tragen kommen – vom Flüstern, Sprechen, Rufen, Pfeifen, Singen bis hin zu lautstarken Durchsagen via Megaphon. Von Impulsen der beiden WorkshopleiterInnen angeregt, entwickeln die ChorsängerInnen eine Performance, bei der der bewusste Umgang mit der Stimme, dem Raum und dem eigenen Körper zum tragenden Element wird.

Workshops: 13.–17.06.2016 täglich 18:30-21:00 Uhr, Ernst Krenek Forum Krems
Performance: Freitag, 17.06. 19:30 Uhr
Ort: NN
Veronika Grossberger, Musikvermittlerin
Johannes Voit, Komponist und Musikvermittler
Chöre der Kremser Region